Stellantis: Weniger Strom, mehr V8 und US-Investitionen

22.2 Milliarden Euro Abschreibungen, keine Dividende, der V8 kehrt zurück: Stellantis hat seine Elektro-Offensive kräftig zurückgestutzt. Was bedeutet das?

Stellantis hat für seine Elektro-Kehrtwende 22.2 Milliarden Euro abgeschrieben, deutlich mehr als Ford und General Motors für ihre Kurskorrekturen. Konzernchef Antonio Filosa nennt den Grund selbst: Man habe das Tempo der Energiewende überschätzt.
Die Entwicklung solle künftig der Nachfrage folgen statt politischen Vorgaben, heisst es in der Mitteilung. Gestrichen wurde unter anderem der vollelektrische Pick-up Ram 1500.
Auch die Plug-in-Hybride von Jeep und Chrysler verschwinden in den USA aus dem Programm.
Der V8 ist wieder da
Im Gegenzug kehrt in Nordamerika der 5.7-Liter-Hemi-V8 zurück, etwa im Ram 1500. Den elektrischen Ram-Pick-up ersetzt eine Version mit Range-Extender.

In Europa bringt Stellantis Dieselmotoren in mehrere Modelle zurück. Die gemeinsam betriebenen Batteriefabriken in Nordamerika sind unterausgelastet und stellen auf Energiespeicher um.
Dennoh hat der Konzern die Elektromobilität nicht aufgegeben. Bis 2030 plant er 29 neue Elektroautos, 24 Hybride und 39 Verbrenner oder Mildhybride.
60 Prozent für Nordamerika
Bereits im Oktober 2025 hatte Stellantis 13 Milliarden Dollar für die USA angekündigt, verteilt auf vier Jahre. Laut Konzern ist es die grösste Investition in seiner US-Geschichte.

Im Mai 2026 folgte der Plan «FaSTLAne 2030» mit 60 Milliarden Euro über fünf Jahre. Rund 60 Prozent der Mittel für Marken und Produkte fliessen nach Nordamerika.
Dort sollen elf neue Modelle kommen, sieben davon unter 40'000 Dollar. Weltweit plant der Konzern über 60 neue Modelle und 50 grosse Überarbeitungen.
Europa schrumpft, Opel wird regional
In Europa will Stellantis die Produktionskapazität um über 800'000 Einheiten senken. Die Auslastung der Werke soll dadurch von 60 auf 80 Prozent steigen.
Als globale Marken gelten nur noch Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Opel, Citroën und Alfa Romeo führt der Konzern künftig als Regionalmarken.

Mit dem chinesischen Partner Leapmotor teilt Stellantis Werkskapazitäten in Spanien. Die neue Plattform STLA One soll fünf bestehende Architekturen ersetzen und alle Antriebsarten tragen.
Was bleibt für die Schweiz?
Hierzulande importiert die Emil Frey Gruppe Peugeot, Citroën, DS und Opel. Opel Schweiz meldete für das erste Quartal 2026 einen Pkw-Marktanteil von 1.8 Prozent, nach 1.3 Prozent im Vorjahr.

Bestseller war der Corsa mit 429 Neuzulassungen. Schweizer Käufer setzen dabei zunehmend auf Strom: Von Januar bis Juli 2026 fuhr fast jeder vierte Neuwagen rein elektrisch.
Am 28. Oktober legt Stellantis die Zahlen zum dritten Quartal vor. Dann zeigt sich, ob die Rechnung «V8 statt Elektrooffensive» aufgeht.





