Heute verboten: 5 völlig irre Auto-Werbespots

Illegale Raserei, Militärtechnik und Tabubrüche: 5 legendäre Autoclips, die heute undenkbar wären – und die Marketingwelt fassungslos machten.

Höher, schneller, kompromissloser – und oft meilenweit jenseits des guten Geschmacks oder geltenden Rechts. Die Automobilbranche hat in ihrer Geschichte Clips und Werbekampagnen hervorgebracht, die aus heutiger Sicht völlig surreal wirken.

Ob lebensgefährliche Stunts ohne Drehgenehmigung, makabre Pointen oder der bizarre Einsatz schwerer Militärtechnik: Diese fünf Produktionen zeigen, wie extrem automobile Inszenierungen früher waren – und warum sie heute keine Sekunde mehr überleben würden.
1. Claude Lelouch: C’était un rendez-vous (1976)
Das Video: Ein knapp neunminütiger, ungeschnittener Ritt im Pariser Morgengrauen. Die Kamera ist knapp über der Stossstange montiert. Der Fahrer jagt ohne Unterbrechung von der Porte Dauphine über den Boulevard Périphérique, die Champs-Élysées und durch das Louvre-Tor hinauf zur Basilika Sacré-Cœur. Rote Ampeln, Gegenverkehr, Gehwege und ahnungslose Passanten werden bei Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ignoriert.
Das Geheimnis: Lelouch unterlegte die Tonspur mit dem hochdrehenden V12-Sound eines Ferrari 275 GTB. Gefahren wurde jedoch sein eigener Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 – dessen hydropneumatische Federung war die einzige Technologie, die das schwere 35-mm-Kamera-Rig bei diesem Tempo erschütterungsfrei stabilisieren konnte.
Warum heute undenkbar: Die Fahrt fand ohne Absperrung, Genehmigung oder Streckensicherung im realen Strassenverkehr statt. Unmittelbar nach der Uraufführung wurde Lelouch verhaftet und sein Führerschein konfisziert. In Zeiten flächendeckender Verkehrsüberwachung und drakonischer Gesetze gegen verbotene Kraftfahrzeugrennen würde eine solche Aktion heute direkt im Strafvollzug enden.
2. Citroën Visa GTi: Flugzeugträger & Atom-U-Boot (1985)
Das Video: Regisseur Jean-Paul Goude inszenierte für den Kleinwagen Citroën Visa GTi ein Beschleunigungsduell der extremen Art. Auf dem Flugdeck des aktiven französischen Flugzeugträgers Clemenceau startet der Kleinwagen Seite an Seite mit einem Dassault-Marine-Kampfjet. Am Ende des Katapultdecks schiesst der Wagen über den Bug direkt ins offene Meer – nur um kurz darauf wie durch ein Wunder auf dem Rumpf des französischen Jagd-U-Boots La Praya triumphierend aus den Wellen aufzutauchen.
Der Hintergrund: Für den Clip wurden tatsächlich echte Fahrzeuge im Meer versenkt. Die französische Marine stellte Kriegsschiffe, Jets und U-Boote für eine zivile Pkw-Kampagne ab.
Warum heute undenkbar: Schwere Militärtechnik, atomar bestückbare Trägersysteme und Kampfflugzeuge für die Vermarktung eines zivilen Kleinwagens einzusetzen und dabei Autos im Ozean zu versenken, ist aus Budget-, Sicherheits- und Umweltauflagen heute politisch ausgeschlossen. In der modernen Werbewelt würde ein solches Szenario ausschliesslich per CGI am Rechner entstehen.
3. Ford SportKa: «The Evil Twin» – Schiebedach & Taube (2004)
Das Video: Um den SportKa als ungezähmtes Gegenstück (»The Evil Twin») des braven Ka zu positionieren, kreierte die britische Agentur WCRS zwei virale Kurzclips. Im ersten Clip nähert sich eine neugierige Katze dem geöffneten Schiebedach.
Als sie hineinschaut, schnappt das Dach wie eine Guillotine zu und köpft das Tier – der leblose Katzenkörper rutscht über die Windschutzscheibe. Im Schwesterspot wird eine Strassentaube von der plötzlich aufspringenden Motorhaube wie von einer Fliegenklatsche zerschmettert.
Der Hintergrund: Die Spots wurden als angebliche «Leaks» im Netz gestreut und liefen kurzzeitig im britischen TV, bevor weltweite Proteste folgten.
Warum heute undenkbar: Auch wenn die Tiere computeranimiert waren, führte die gezielte Inszenierung von drastischer Tierquälerei als Kaufanreiz zu massiven Rügen durch Werbeaufsichtsbehörden (wie die britische ASA). Ein etablierter Automobilhersteller würde heute im Zuge von Shitstorms und Markenboykotten einen irreversiblen Reputationsschaden erleiden.
4. Volkswagen Polo: «Small but tough» / Der Selbstmordattentäter (2005)
Das Video: Ein Mann mit Kufiya und Sprengstoffgürtel steigt in einen VW Polo, fährt vor ein voll besetztes Café und löst die Bombe aus. Statt einer verheerenden Detonation gibt es lediglich ein dumpfes Geräusch im Innenraum; die Scheiben beschlagen kurz, doch die Fahrgastzelle bleibt intakt.
Draussen bemerkt niemand den Vorfall. Am Ende erscheint der Claim: «Polo. Small but tough.»
Der Hintergrund: Der Clip war keine offizielle Kampagne, sondern eine sogenannte «Spec-Ad» der Londoner Kreativen Lee Ford und Dan Brooks. Das Video ging in der Frühphase des Web-Videos per E-Mail und Videoplattformen um die Welt und wurde von Millionen als echte VW-Werbung wahrgenommen.
Warum heute undenkbar: Nach realen Terrorserien ist die zynische Nutzung von Selbstmordattentaten als Pointe für passive Fahrzeugsicherheit ein absolutes No-Go. Volkswagen leitete damals umgehend rechtliche Schritte gegen die Macher ein, um sich unmissverständlich von der Botschaft zu distanzieren.
5. Hyundai ix35: «Pipe Job» (2013)
Das Video: Ein deprimierter Mann sitzt in seiner geschlossenen Garage am Steuer eines Hyundai-SUV. Ein Schlauch führt vom Auspuffrohr direkt durch das Seitenfenster in die Kabine.
Der Mann schliesst die Augen, um sein Leben zu beenden. Am nächsten Morgen wacht er jedoch kerngesund auf, stellt frustriert sein Scheitern fest und geht zurück ins Haus. Die Auflösung: Das Brennstoffzellen-Fahrzeug stösst ausschliesslich 100 % reinen Wasserdampf aus.
Der Hintergrund: Die Agentur Innocean Europe wollte damit die Emissionsfreiheit des Wasserstoffantriebs demonstrieren.
Warum heute undenkbar: Die Instrumentalisierung eines Suizidversuchs für ein Werbeversprechen löste international Entsetzen aus. Insbesondere Hinterbliebene und Suizidpräventions-Organisationen protestierten scharf.
Hyundai zog den Spot binnen weniger Stunden zurück, löschte alle Spuren und veröffentlichte eine formelle Entschuldigung. In modernen Marketing-Ethikrichtlinien ist die Verharmlosung von Selbsttötung selbstverständlich tabu.





