Oldtimer

    Kubas Oldtimer: Rollende Museen der Improvisation

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Mehr als nur ein Postkartenmotiv: Warum ein Cadillac in Kuba heute das Rückgrat ganzer Familien ist und wie das US-Embargo den Erfindergeist weckte.

    Oldtimer Kuba
    Das Erbe von Detroit: Rund 60'000 amerikanische Oldtimer aus den 1940er und 50er Jahren prägen auch heute noch das Stadtbild von Havanna. - Littlediscoveries (Screenshot)

    Der Geruch von Diesel mischt sich in Havanna mit der salzigen Meeresluft. V8-Motoren aus Detroit blubbern hier neben russischen LKW-Aggregaten unter verchromten Motorhauben.

    Die kubanischen Mechaniker bändigen seit Jahrzehnten die Tücken veralteter Vergasertechnik. Jede Fahrt in einem «Almendron» gleicht einem technischen Abenteuer durch die Zeitgeschichte.

    Oldtimer Kuba
    Frankensteins Mobile: In Kuba nennt man die kreativ zusammengeflickten Autos oft «Frankensteins», da sie aus Teilen völlig unterschiedlicher Marken bestehen. - Littlediscoveries

    Wer in diesen Klassikern Platz nimmt, spürt die Vibrationen einer analogen Ära. Sie verkörpern den wahren Erfindergeist der kubanischen Bevölkerung.

    Die Kunst der Improvisation

    Das US-Embargo stoppte 1960 den Import neuer Fahrzeuge und originaler Bauteile radikal. Notgedrungen entwickelten die Kubaner eine weltweit einzigartige Kultur der technischen Zweckentfremdung.

    Die Fahrer mischen Bremsflüssigkeit oft aus Seife und Alkohol selbst zusammen. Unter den Hauben der Chevrolets schlagen heute meist Herzen von Ladas oder Hyundai-Dieselmotoren.

    Kuba Oldtimer
    Farbenpracht gegen den Rost: Die leuchtenden Lackierungen sind oft Schicht um Schicht mit dem Pinsel aufgetragen, um das Metall vor der salzhaltigen Meeresluft zu schützen. - Littlediscoveries

    Sogar Türgriffe und Fensterkurbeln entstehen in Hinterhof-Giessereien aus eingeschmolzenem Altmetall. Diese mechanische Kreativität hält den Verkehr der Insel seit über sechs Jahrzehnten stabil.

    Kulturgut auf vier Rädern

    Die Bezeichnung «Almendrones» leitet sich von der mandelförmigen Karosserie vieler US-Modelle ab. Sie dienen heute nicht nur als Postkartenmotiv, sondern als zentrales Transportmittel der Einheimischen.

    In den Sammeltaxis finden oft bis zu acht Personen gleichzeitig einen Platz. Die Regierung schützt diese Oldtimer mittlerweile als nationales Kulturerbe vor dem massenhaften Ausverkauf.

    Für Touristen bieten die glänzend polierten Cabrios eine nostalgische Reise in das Jahr 1959. Hinter der glitzernden Fassade verbirgt sich jedoch oft ein harter Kampf gegen den Rost.

    Wichtige Tipps für die Zeitreise

    Verhandeln Sie die Fahrtkosten in einem Oldtimer-Taxi immer zwingend vor dem Einsteigen. Die Preise variieren stark zwischen den staatlichen Touren und den privaten Sammeltaxis.

    Achten Sie bei der Auswahl auf den Zustand der Reifen und die Bremsen. Sicherheitsgurte suchen Reisende in den meisten dieser historischen Fahrzeuge vergeblich.

    Oldtimer Kuba
    Bremsflüssigkeit aus Seife: In harten Zeiten nutzten kubanische Mechaniker sogar eine Mischung aus Seifenwasser und Bremsflüssigkeit, um die Leitungen druckvoll zu halten. - Littlediscoveries

    Ein Gespräch mit dem Fahrer offenbart oft faszinierende Details über die Familiengeschichte des Wagens. Diese persönlichen Anekdoten machen die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis für jeden Besucher.

    Wirtschaftlicher Motor der Insel

    Der Betrieb eines Oldtimers sichert vielen kubanischen Familien die wichtigste Einnahmequelle des Alltags. Ein gut gepflegter Cadillac verdient an einem Tag mehr als ein Staatsangestellter im Monat.

    Die hohen Wartungskosten fressen jedoch einen grossen Teil dieser Einnahmen sofort wieder auf. Verwandte aus den USA oder Spanien schicken benötigte Ersatzteile oft in kleinen Paketen.

    Diese Fahrzeuge bilden das Rückgrat des privaten Sektors in der speziellen Wirtschaft Kubas. Ihr Erhalt ermöglicht die grundlegende Mobilität ganzer Stadtviertel in der Hauptstadt Havanna.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #6419 (nicht angemeldet)

    …rollende Öltonnen…!!

    User #5647 (nicht angemeldet)

    das wird mit den E-autos und auch den aktuellen restliche Verbrenner nie möglich sein. Alt wurde für die ewigkeit gebaut. Heute baut man bereits mit planung, was alles repariert werden soll und wann, dass es spätestens den geist aufgiebt

    Weiterlesen

    Starman im Tesla Roadster
    Tesla
    Porsche 963 RSP
    1 Interaktionen
    Porsche
    Jaecoo Omega 5
    3 Interaktionen
    Neues
    Tesla Model Y
    19 Interaktionen
    Neues
    Citroen 2CV
    22 Interaktionen
    Neues
    Porsche 718 Cayman GT4 RS
    7 Interaktionen
    Porsche