Hardware-Abos für Ihr Auto: Das gescheiterte Modell

Maia Schmied
Maia Schmied

Miete für die eigene Sitzheizung? Wie Autohersteller mit Abos für verbautes Zubehör scheiterten und was das für Neuwagenkäufer bedeutet.

BMW Abo
Digitales Extra: 2022 löste BMW eine Netz-Debatte aus, indem die Sitzheizung als monatliches Abo im ConnectedDrive Store angeboten wurde. - Bimmer industries

Wer heutzutage über 70'000 Franken für einen Neuwagen bezahlt, besitzt die verbaute Technik keineswegs automatisch. BMW schockierte vor einigen Jahren die gesamte Branche mit dem Versuch, für bereits montierte Sitzheizungen eine monatliche Gebühr einzufordern.

Sämtliche Heizdrähte, Kabelbäume und elektronischen Steuergeräte befanden sich längst voll funktionsfähig im Fahrzeugsitz. Über eine künstliche Software-Sperre im Infotainment-System blockierten die Münchner jedoch den Zugriff auf die physische Hardware.

Enteignung per update. Wie Hersteller Autos fernsteuern ...

Der gewaltige globale Proteststurm enttäuschter Kunden zwang den bayerischen Autogiganten schliesslich zu einer blamablen Kehrtwende. Ein kritischer Marktvergleich offenbart die fragwürdige Logik hinter diesen neuartigen digitalen Geschäftsmodellen.

Abofalle und die Folgen für Autobesitzer

Volvo setzt im Vergleich auf klassische Aufpreispakete ohne versteckte Folgekosten für den Käufer. Tesla nutzt zwar ebenfalls Software-Sperren, schaltet Batterieleistungen aber meist gegen einmalige Pauschalbeträge dauerhaft frei.

Fakt ist: Hersteller sparen durch identische Serienausstattungen Millionenbeträge in den komplexen Fertigungsabläufen der Fabriken. Autobesitzer schleppen dadurch allerdings permanent ungenutztes Gewicht spazieren, was den Energieverbrauch unnötig erhöht.

Die künstliche Entkopplung von Hardware und Nutzung degradiert den Käufer zum Bittsteller im eigenen Fahrzeug. Psychologisch unterscheidet man beim Fahrzeugkauf klar zwischen fortlaufenden Dienstleistungen und fest verbauten Gegenständen.

Warum die digitale Bezahlschranke scheitern musste

Kunden akzeptieren Abonnements für Mobilfunkdaten, Kartenupdates oder Musik-Streaming wegen der laufenden Serverkosten klaglos. Bei einer physischen Sitzheizung entstehen dem Fahrzeughersteller nach dem Verkauf jedoch keinerlei weitere Betriebskosten.

Das Gefühl der Abzocke entsteht sofort, wenn bereits bezahlte Hardware nachträglich nochmals vermietet wird. Die scharfe Reaktion der Autofahrer bewies die Durchsetzungskraft einer organisierten Konsumentenhaltung im Netz.

Auto im Abo: Wie VW, BMW & Co. an der Zukunft des Eigentums scheiterten

Selbst im lukrativen Schweizer Premiumsegment verweigerten wohlhabende Käufer diese geldgierige Form der Kundenbindung.

Neue Wachsamkeit beim Neuwagenkauf

BMW versichert mittlerweile öffentlich, dass fest verbaute Hardware-Komponenten künftig nicht mehr hinter Paywalls landen. Stattdessen konzentriert sich die Autoindustrie auf Zusatzfunktionen wie autonome Fahrassistenten oder erweiterte Einparkhilfen.

Für solche rechenintensiven Systeme zahlen Kunden eine monatliche Gebühr für begrenzte Nutzungszeiträume. Der gescheiterte Vorstoss hinterlässt jedoch einen dauerhaften Vertrauensschaden in der gesamten Automobilbranche.

Konsumenten achten beim Neuwagenkauf nun wesentlich genauer auf das Kleingedruckte in den digitalen Kaufverträgen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #5099 (nicht angemeldet)

Von solchen Machenschaften Finger weg. Da soll man noch Vertrauen haben?

Weiterlesen

JAecco 5 HEV
1 Interaktionen
Neues
Autofriedhof Kyrkö Mosse
5 Interaktionen
Stories
EU kommission
38 Interaktionen
Tech
Škoda Vision O
16 Interaktionen
Volkswagen
Offenes Fahrerlebnis: Das Stoffverdeck des GranCabrio Trofeo öffnet sich auf Knopfdruck und verwandelt das Coupé in ein elegantes Cabriolet.
4 Interaktionen
Neues
Dodge Viper
16 Interaktionen
Dodge