Kostenbremse bei VW: Kampf um die Rendite

VW im Krisenmodus: 60 Milliarden Euro Sparziel, sinkende China-Absätze und drohende Werksschliessungen rütteln am deutschen Autoriesen. Wie geht's weiter?

Wer heute einen Volkswagen erwirbt, setzt zumeist auf bewährte Qualität. In der heimischen Garage gilt ein VW traditionell als Inbegriff von Zuverlässigkeit.

Strukturell kämpft der Konzern jedoch mit veralteten Kostenstrukturen. Hohe Fixkosten blockieren die notwendige Agilität in der modernen Fertigung.
Geopolitische Hürden und sinkende Margen
Der digitale Wandel sowie neue Antriebskonzepte verschlingen enorme finanzielle Mittel. Angesichts dieser Herausforderungen zieht die Konzernleitung nun die Notbremse für einen harten Sparkurs.

Die Absatzzahlen im Schlüsselmarkt China sinken seit Monaten in besorgniserregendem Masse. Zusätzlich belasten hohe US-Zölle das internationale Geschäft der Wolfsburger erheblich.
Die Konkurrenz aus Fernost drängt mit preiswerten Elektroautos aggressiv nach Europa. Gleichzeitig zehren hohe Softwarekosten die ohnehin schmalen Gewinnmargen weiter auf.
Strategischer Umbau und das 60-Milliarden-Paket
Konzernchef Oliver Blume sieht die langfristige Rentabilität des Unternehmens ernsthaft in Gefahr. Ein radikaler Umbau der gesamten Kostenstruktur soll künftig das Überleben sichern.

Bis zum Jahr 2028 sollen die Ausgaben um substanzielle 20 Prozent gesenkt werden. Dies entspricht der gewaltigen Summe von rund 60 Milliarden Euro über die gesamte Laufzeit.
Sämtliche Konzernmarken stehen ab sofort unter genauer Beobachtung der Finanzabteilung. Vor allem die Verwaltung und die Entwicklung müssen ihre Effizienz deutlich steigern.
Widerstand und drohende Werksschliessungen
Blume forderte die Führungskräfte bereits im Januar zu entschlossenem Handeln auf. Das übergeordnete Ziel bleibt eine operative Umsatzrendite von 6.5 Prozent.

Erstmals schliesst das Management Werksschliessungen in Deutschland nicht mehr kategorisch aus. Der Betriebsrat leistet gegen diese Pläne jedoch bereits jetzt erbitterten Widerstand.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo pocht auf bestehende Vereinbarungen zur Standortsicherung. Ein weiterer Stellenabbau über 35'000 Plätze hinaus gilt in Branchenkreisen als wahrscheinlich.
Konsequenzen für das Modellprogramm
Die IG Metall lehnt betriebsbedingte Kündigungen weiterhin konsequent ab. Bis zur Jahrespressekonferenz im März bleiben viele kritische Detailfragen ungeklärt.
Der Sparkurs beeinflusst zudem massgeblich die Konzeption künftiger Fahrzeugmodelle. Ingenieure müssen fortan mit deutlich reduzierten Budgets für technische Innovationen planen.

Es ist zu erwarten, dass Volkswagen unrentable Nischenmodelle bald komplett aus dem Portfolio streicht. Die Konzentration liegt stattdessen auf margenstarken Volumenmodellen und grossen SUVs.
Schweizer Kunden werden diese Straffung durch eine Reduktion der Modellvielfalt bemerken.





