Schweizer Tankstellen: Kaum Gewinn mit Sprit

Maia Schmied
Maia Schmied

Teurer Treibstoff in der Schweiz: Über 60 % sind Steuern! Wie Staat, Börsen und Logistik den Preis bestimmen und was beim Pächter bleibt.

Shell TankstelleSchweiz
Das weltberühmte rot-gelbe Muschellogo geht bis in das 19. Jahrhundert zurück, als der Shell-Gründer in London mit importierten Naturschalen und Meeresmuscheln handelte. - Shell (Screenshot)

Ein Blick auf die digitale Preisanzeige löst bei nahezu jedem Tankstopp kalkulierbare Wut aus. Doch diese Wut trifft meistens das völlig falsche Ziel hinter dem Kassentresen.

Ein Blick auf die Kostenaufteilung bei einem Liter Superbenzin für exakt 1.80 Franken offenbart überraschende Verhältnisse.

Der Staat als Hauptgewinner

Der Schweizer Bund greift beim täglichen Tanken am allerstärksten in Ihre Geldbörse. Die feste Mineralölsteuer fordert unerbittlich genau 73.12 Rappen pro gezapftem Liter Treibstoff.

Der gesetzliche Mineralölsteuerzuschlag schlägt nochmals mit exakt 30 Rappen extrem spürbar zu Buche. Zusätzlich berechnet die Eidgenössische Steuerverwaltung 8.1 % Mehrwertsteuer auf das gesamte Endprodukt.

Der Staat kassiert damit weit mehr als sechzig Prozent des gesamten Preises ein. Diese starren fiskalischen Fixabgaben fliessen ohne jegliche Abzüge direkt in die eidgenössische Bundeskasse.

Rohölbörsen und Devisenmärkte

Nach dem gierigen Fiskus bestimmen internationale Handelsplätze den verbleibenden Treibstoffpreis. Rohöl handeln Spekulanten an den weltweiten Warenbörsen in Rotterdam ausschliesslich in US-Dollar.

Ein schwächelnder Schweizer Franken verteuert diesen Wareneinkauf für heimische Importeure schlagartig. Jede Devisenschwankung schlägt deshalb sofort auf die Kalkulation der Schweizer Grosshändler durch.

Weder heimische Politiker noch lokale Anbieter können diese weltweiten Finanzmärkte nachhaltig steuern. Schweizer Autofahrer bezahlen das schwankende Währungsrisiko direkt beim Füllen ihres Fahrzeugtanks.

Teure Binnenlogistik auf dem Rhein

Der fertige Treibstoff gelangt vor allem über den internationalen Wasserweg in die Schweiz. Schwere Binnenschiffe transportieren die flüssige Fracht über die stark genutzte Rheinschiene direkt nach Basel.

Rhein Niedrigwasser
Nadelöhr für den Handel: Bei extremem Niedrigwasser können Binnenschiffe oft nur noch mit einem Drittel ihrer normalen Ladung fahren. - BfG

Heisse und trockene Sommermonate senken die Flusspegel und gefährden die Frachtkapazitäten der Frachter. Die Schiffe laden bei Niedrigwasser deutlich weniger Tonnage, was die reinen Transportkosten massiv steigert.

Diese unberechenbaren Logistikaufwände fliessen unverzüglich in die Berechnung des Konsumentenpreises ein. Der aufwendige Transport ins Binnenland verteuert jeden gezapften Liter Benzin zusätzlich spürbar.

Schmale Spannen für Pächter

Am Ende dieser langen Kette kämpft die lokale Tankstelle vor Ort um ihr Überleben. Hohe Arealmieten, moderne Sicherheitsstandards und teurer Strom belasten die Schweizer Pächter enorm.

Benzinpreis geht durch die Decke: Wie teuer wird tanken noch?

Gesetzliche CO2-Kompensationspflichten verengen den finanziellen Spielraum der Betreiber zusätzlich sehr stark. Vom teuren Literpreis von 1.80 Franken verbleibt dem lokalen Garagisten nur eine winzige Marge.

Diese schmale Spanne deckt lediglich den laufenden Tankstellenbetrieb und das hohe unternehmerische Risiko. Echte Gewinne erwirtschaftet der Pächter ausschliesslich durch Kioskverkäufe, Gipfeli und frischen Kaffee.

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Kommentare

User #4870 (nicht angemeldet)

Von mir kriegen sie gar keinen Gewinn, da ich nicht am Benzintropf hänge. Wer im Jahr 2026 noch Benzin tankt, soll ruhig zur Kasse gebeten werden, selbst schuld.

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