Mittelmotor-Pionier: Das Erbe des Toyota MR2

Der Toyota MR2 machte Mittelmotor-Faszination bezahlbar. Heute ist das federleichte Sportcoupé auch bei uns eine begehrte Sammlerikone.

Mittelmotor-Sportwagen galten über Jahrzehnte hinweg als unerschwingliches Privileg und stammten in aller Regel aus den Manufakturen sündhaft teurer Nobelmarken. Bis zum Herbst 1984: Mit dem ersten MR2 brach Toyota dieses Dogma mit beispielloser technologischer Konsequenz auf.
Das Modellkürzel stand selbstbewusst für «Midship Runabout 2-seater» und löste jedes dynamische Versprechen kompromisslos ein. In der ersten Generation W10 wog das kantige Coupé fahrfertig gerade einmal 977 Kilogramm.

Der frei saugende 1.6-Liter-Vierventiler 4A-GE leistete standfeste 124 PS bei 6600 Umdrehungen pro Minute. Vier Dekaden nach seiner Präsentation ist der federleichte Japaner in Schweizer Sammlergaragen heute eine begehrte Ikone mit stetigem Wertzuwachs.
Kurvenräuber am Klausenpass
Dank einer hecklastigen Gewichtsverteilung von 45 zu 55 Prozent krallt sich der Zweisitzer gierig in Kurvenradien. Auf den engen Kehren des Klausenpasses degradierte der intelligente Leichtbau manches etablierte Sportcoupé zum chancenlosen Statisten.
Schweizer Bergrenn-Enthusiasten und Slalom-Piloten erkannten die herausragende Agilität des japanischen Konzepts augenblicklich. Mit der Generation W20 wuchs der Mittelmotor-Renner ab 1989 spürbar in seinen Dimensionen und Ausstattungsdetails.

Auf dem Schweizer Markt fand primär der drehfreudige Zweiliter-Saugmotor mit 156 PS rasche Verbreitung. Seine fliessenden Karosserielinien erinnerten damals nicht zufällig an italienische Sportwagenlegenden aus Maranello.
Kraftzuwachs und Sammlerpreise
Einzelne Grauimporte brachten zudem den turbogeladenen 3S-GTE-Motor mit bis zu 245 PS in die Eidgenossenschaft. Beachtliche 304 Newtonmeter Drehmoment katapultierten diesen aufgeladenen Exoten in 5.8 Sekunden auf Tempo 100.
Im Grenzbereich am Gotthardmassiv verlangte das berüchtigte Lastwechsel-Übersteuern jedoch eine extrem routinierte Hand am Volant. Leider fielen viele Fahrzeuge in den 1990er-Jahren fragwürdigem Tuning, exzessiver Rennstreckennutzung oder unerbittlichem Rost zum Opfer.

Unverbastelte Originale mit lückenlosem Schweizer Serviceheft liegen heute oft bei 28'000 Franken oder mehr. Angesichts batterieelektrischer Zweitonner im Neuwagenkatalog wirkt die konsequente Leichtbau-Philosophie des MR2 faszinierender denn je.
Was vom MR2 bleibt: Zukunft im Gazoo-Zeitalter?
In Japan verdichten sich konkrete Hinweise auf ein baldiges Comeback unter dem Label Gazoo Racing. Als Antriebseinheit wird der aufgeladene 1.6-Liter-Dreizylinder aus dem GR Yaris gehandelt.
Mit einer Leistung von über 300 PS verspricht dieses Triebwerk reinrassige Fahrleistungen. Der enorme Verkaufserfolg dieser sportlichen Kleinserie in der Schweiz belegt eine ungebrochene Zahlungsbereitschaft für echte Fahrerautos.
Die helvetische Fangemeinde wartet schon lange auf einen echten Mittelmotor-Nachfolger aus Japan. Ein solches Leichtbau-Sportcoupé brächte willkommene Abwechslung in die derzeitige Automobillandschaft.





