Mercedes-Benz 540 K: Ein Gemälde mit Millionenwert

Ein Roadster, der neu 40 Prozent mehr kostete als der teuerste Cadillac. Und eine Baronin, die ihn im Krieg in der Schweiz in Sicherheit brachte.

Gebaut wurden vom 540 K nur rund 420 Exemplare. Seine Premiere feierte der 540 K im Oktober 1936 am Pariser Autosalon.
Er folgte auf den 500 K und war eines der ersten Modelle unter Chefingenieur Max Sailer. Der frühere Rennfahrer hatte die Nachfolge des 1934 verstorbenen Hans Nibel angetreten.
Das K im Namen steht für Kompressor. Unter der langen Haube arbeitete ein 5.4-Liter-Reihenachtzylinder mit 115 PS. Mit zugeschaltetem Roots-Kompressor stieg die Leistung auf 180 PS, die Spitzengeschwindigkeit lag bei 170 km/h.
Massanzug aus Sindelfingen
Die meisten Karosserien entstanden im eigenen Werk in Sindelfingen. Dort arbeiteten 1'500 Menschen am 540 K, exlusive Kundenwünsche wurden weitgehend erfüllt.

Nur rund 29 Fahrgestelle erhielten einen Aufbau von externen Karossiers. Zur Wahl standen unter anderem Cabriolets der Varianten A, B und C sowie der Spezial-Roadster.
Vom zweisitzigen Cabriolet A entstanden genau 83 Stück. Der Spezial-Roadster kostete einen amerikanischen Erstbesitzer rund 12'000 Dollar, 40 Prozent mehr als der teuerste Cadillac V-16.
Eine Baronin und die Schweiz
Die spektakulärste Geschichte schrieb ein Spezial-Roadster von 1936. Seine Erstbesitzerin war die preussische Baronin Gisela von Krieger.
Während des Zweiten Weltkriegs brachte sie den Wagen in der Schweiz in Sicherheit. Später nahm sie ihn mit in die USA, wo er bis zu ihrem Tod 40 Jahre in einer Garage stand.

Im August 2012 erzielte er bei Gooding & Company in Pebble Beach einen Verkaufspreis von 11.77 Millionen US-Dollar. Damit war er damals das teuerste je versteigerte Vorkriegsauto.
Millionen für Kompressor-Klassiker
Auch andere 540 K erzielen heute Millionenbeträge. Ein roter Spezial-Roadster von 1937 brachte im Januar 2016 in Arizona 9.9 Millionen Dollar.
Ein Cabriolet A aus einer privaten Schweizer Sammlung ging bei RM Sotheby’s in Essen für 2.255 Millionen Euro weg. Entscheidend für den Preis sind eine belegte Herkunft und möglichst originale Komponenten.

Restauriert werden solche Autos heute unter anderem im Mercedes-Benz Classic Center. Fachleute orientieren sich dort an historischen Archivfotos, damit jedes Detail dem Original entspricht.





