Brandgefahr: Reedereien bremsen E-Autos

Maia Schmied
Maia Schmied

Tickende Brandfallen auf hoher See? Aus Angst vor Feuern sperren erste Reedereien jetzt E-Autos aus – droht der Mobilitätswende der nächste Dämpfer?

Fähre „Color Magic“ im Kieler Hafen.
Vorreiter Havila Kystruten: Die norwegische Küstenreederei verhängte das Verbot, da Besatzungen auf hoher See kaum gegen brennende Lithium-Ionen-Akkus vorgehen können. (Symbolbild) - RND (Screenshot)

Die Vorstellung vom völlig unbeschwerten Reisen mit dem Stromer stösst an europäischen Hafenpiers zunehmend auf strenge Sicherheitsauflagen. Hochvolt-Lithium-Ionen-Batterien gelten wegen der Gefahr eines kaum löschbaren Batteriebrandes bei einigen Fährgesellschaften als heikle Fracht.

Viele Schweizer Automobilisten buchen ihre Passage nach Skandinavien oder ins Mittelmeer, ohne die verschärften Transportbestimmungen im Detail zu kennen. Der enorme Löschwasserbedarf brennender Akkuzellen bewegt Hafenbehörden und Reedereien zu teils rigorosen Restriktionen.

Ein gezielter Blick auf die Vorschriften schützt Reisende vor verpassten Abfahrten und kostspieligen Überraschungen am Kai.

Havila verbietet E-Antriebe an Norwegens Küste

Die norwegische Reederei Havila Kystruten sperrt elektrifizierte Antriebe auf der Route zwischen Bergen und Kirkenes konsequent aus. Weder reine Elektrofahrzeuge noch Plug-in-Hybride oder Wasserstoffautos dürfen die Schiffe des Anbieters befahren.

«Ein Brand in Elektro- oder Hybridautos erfordert externe Rettungsmassnahmen und gefährdet Passagiere wie Schiffe», begründet Havila-CEO Bent Martini das strikte Verbot. Der direkte Konkurrent Hurtigruten bewertet die Lage anders: «Wir befördern seit Jahrzehnten Fahrzeuge aller Antriebsarten und halten uneingeschränkt daran fest», betont Sprecher Martin Henriksen.

Autofrachter
Autofrachter Morning Midas am 3. Juni 25: Rund 500 Kilometer südlich der Küste Alaskas geriet der unter panamaischer Flagge fahrende Frachter Morning Midas im Pazifik in Brand. (Symbolbild) - Gdv (Screenshot)

Ein flächendeckender E-Auto-Bann existiert in Nordeuropa folglich nicht. Grosse Schifffahrtsgesellschaften wie Color Line oder DFDS wickeln den Transport moderner Stromer auf Nord- und Ostsee weiterhin routiniert ab.

Griechenlands Ladegrenze und Stromverbote auf See

In Griechenland regelt das Ministerium für Schifffahrt und Inselpolitik den Fährverkehr seit Frühjahr 2024 mit einer strikten 40-Prozent-Grenze für den Batterieladestand. Wer mit mehr als 40 Prozent Akkuladung an den Terminals in Piräus, Patras oder italienischen Adria-Häfen vorfährt, wird von der Schiffsbesatzung am Pier zurückgewiesen.

Symbolbild Fährhafen
Brandschutz auf See: Die 40-Prozent-Grenze verringert das Risiko einer chemischen Kettenreaktion (Thermal Runaway) im Akku drastisch. (Symbolbild) - KI-generiert

Diese Vorschrift gilt verbindlich für innergriechische Inselverbindungen sowie für internationale Adria-Routen ab Ancona oder Venedig. Zudem untersagen Reedereien wie Scandlines oder Moby Lines das Aufladen an Bord aus brandschutztechnischen Gründen ausnahmslos.

Lediglich Vorreiter wie TT-Line und Stena Line bieten auf ausgewählten Neubauten vorab reservierbare Ladesäulen auf dem Fahrzeugdeck an. Planen Sie Ihre Ladestopps vor der Hafeneinfahrt daher vorausschauend ein, um die vorgeschriebenen Ladekorridore exakt einzuhalten.

Nulltoleranz für beschädigte Batterien und Unfallwagen

Ein striktes Beförderungsverbot gilt auf allen Meeresrouten für verunfallte oder nachweisbar beschädigte Elektrofahrzeuge. Nach einer Kollision mit Bodenkontakt oder einer Deformierung des Batteriegehäuses verweigern Gesellschaften wie Balearia und Finnlines die Einschiffung.

Beschädigte Lithium-Ionen-Zellen bergen ein unkalkulierbares Risiko der Selbstentzündung in den geschlossenen Laderäumen. Völlig intakte Serienfahrzeuge passieren die Fahrzeugkontrollen bei Anbietern wie Corsica Ferries hingegen reibungslos.

Prüfen Sie vor Antritt der Reise stets die aktuellen Transportbestimmungen der jeweiligen Schifffahrtsgesellschaft. Mit der richtigen Ladeplanung und Kenntnis der Reedereivorgaben gelingt die maritime Anreise ohne böse Überraschungen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #3577 (nicht angemeldet)

Die Gründe für die Zurückhaltung der Reedereien ist simpel wurde auch schon thematisiert und das ist auch nicht neu, dass man E-Autos nicht überall mitnimmt. Der Hauptgrund ist, dass noch nicht alle Reedereien ihr Feuerwehrequipment noch nicht erweitert haben, um E-Autos adäquat zu löschen, respektive den Brand unter Kontrolle zu bringen. Die Möglichkeiten die es gibt und wie man das heute macht ist bekannt. Finde ich als E-Fahrer verständlich und akzeptabel. Aber das wird sich in den nächsten Jahren entsprechend auflösen. Dass beschädigte Fahrzeuge nicht transportiert werden dürfen ist logisch. Durch Unfall defekte E-Autos sind Gefahrengut. Die transportiert man nicht zusammen mit normalen Passagieren.

User #4014 (nicht angemeldet)

Wusste nicht, wie weit der Arm der Ölkonzerne reicht. Übrigens: ausgerechnet in Norwegen ist der E- Autoanteil sehr hoch. Und sie alle brennen lichterloh. Furchtbar! (Satire)

Weiterlesen

Mercedes-Stern
8 Interaktionen
Stories
Bosch KI
1 Interaktionen
Neues
TUM Pressekonferenz
97 Interaktionen
Tech
Verbrenner vs. Elektro
30 Interaktionen
Tech
Ferrari vs Lamborghini
3 Interaktionen
Ferrari
Volkner Mobil Performance S
11 Interaktionen
Tech