E-Auto-Occasion: Was wir in Georgien gelernt haben

E-Auto-Boom in Georgien: Dank null Steuern und günstigen USA-Importen erobert das gebrauchte Tesla Model 3 das Taxi-Geschäft in Tiflis.

Kaukasische Metropolen lassen den klassischen Verbrennungsmotor im Eiltempo hinter sich. Im georgischen Strassenverkehr dominiert eine überraschende Occasion als tonangebendes Verkehrsmittel das gesamte Stadtbild.
Wenn Sie am Flughafen Tiflis landen, umzingeln Sie sogleich lautstarke Taxifahrer mit ihren Angeboten. Zwischen historischen Holzbalkonen, uralten Schwefelbädern und moderner Architektur fällt ein ungewohntes Bild ins Auge:

Geräuschlos rollt ein Tesla Model 3 heran und schaltet seinen hocheffizienten Drehstrom-Synchronmotor geräuschlos auf Durchzug. Die elektrische Antriebstechnik verdrängt etablierte Verbrenner in Georgien mit erstaunlicher Effizienz.
Vom Flughafen Rustavi direkt in die Stadt
Während das Elektro-Taxi dynamisch durch das georgische Verkehrschaos gleitet, zeigt sich der wahre Grund für den Stromer-Boom. Die georgische Finanzbehörde erhebt auf reine Elektrofahrzeuge nämlich eine Verbrauchssteuer von exakt null Lari.
Geschäftstüchtige Händler ersteigern leicht verunfallte Fahrzeuge auf US-Auktionsplattformen wie Copart zu Spottpreisen. Im nahegelegenen Autohandelszentrum Rustavi setzen geschickte Karosseriebauer die importierten Elektroautos mit erstaunlicher Routine wieder instand.

Im direkten Vergleich zu einer etablierten Benzin-Limousine wie dem BMW 5er entfällt die teure Zolleinfuhrabgabe beim Stromer komplett. Die Fahrer sparen dadurch bereits bei der Anschaffung mehrere tausend Franken gegenüber einem herkömmlichen Auto.
Wartungsarme Technik für Tiflis
Der amerikanische Stromer punktet im harten Taxialltag vor allem durch seine extrem minimalistische und robuste Mechanik. Anfällige Bauteile wie Zündkerzen, Keilriemen, Lichtmaschinen oder komplexe Automatikgetriebe fehlen im elektrischen System komplett.

Das hocheffiziente rekuperative Bremssystem schont die mechanischen Bremsbeläge selbst auf den steilen Hügeln der Altstadt ganz erheblich. Die jährlichen Servicekosten reduzieren sich im Vergleich zu einem gewöhnlichen Service bei einem Audi A4 oder einer Mercedes E-Klasse auf ein absolutes Minimum.

Zusätzlich profitieren die Halter von extrem günstigen lokalen Strompreisen für den täglichen Ladevorgang an der Haushaltssteckdose. Die reinen Energiekosten pro Kilometer liegen dadurch weit unter den hohen Preisen für importierte Treibstoffe.
Schwachstellen zwischen Pflasterstein und Kaukasus
Trotz der gewaltigen Ersparnis offenbart das amerikanische Elektroauto auf georgischen Strassen auch spürbare Schattenseiten. Das straff abgestimmte Fahrwerk leidet auf den teilweise stark beschädigten Asphaltstrassen deutlich unter dem hohen Batteriegewicht.
Zudem sorgen ungleichmässige Spaltmasse an der Karosserie und das fehlende offizielle Servicenetze von Tesla für tägliche Herausforderungen. Lokale Schrauber in Tiflis behelfen sich deshalb oft mit kreativen Eigenlösungen und Ersatzteilen aus dem Internet.
Dennoch bleibt das gebrauchte Model 3 im Gesamtkostenvergleich für Vielfahrer ungeschlagen und prägt das Stadtbild nachhaltig. Die Georgier beweisen damit eindrücklich, wie langlebig ein Model Tesla trotz Dauereinsatz im Taxibetrieb sein kann.





