Europas Autowerke im Umbruch: Wo entsteht Ihr nächster Neuwagen?

Wer in der Schweiz ein deutsches oder französisches Auto kauft, erhält immer seltener ein Fahrzeug aus dem Stammland der Marke. Ein Blick hinter die Tore ….

… zeigt eine völlig neu geordnete Industrielandschaft. Während Traditionswerke unter massiver Unterauslastung leiden, ziehen neue Akteure in Osteuropa und Spanien hochmoderne Fabriken hoch.
Klar ist: Europas industrielle Landkarte verschiebt sich derzeit so radikal wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Standort Deutschland
Deutschland führt die europäische Statistik zwar noch immer mit über 40 Fahrzeug- und Motorenwerken an. Doch hohe Energiekosten und sinkende Auslastungen zwingen Konzerne wie Volkswagen und Stellantis zum radikalen Umdenken.
Allein Stellantis will seine europäischen Produktionskapazitäten mittelfristig um bis zu 800'000 Einheiten pro Jahr reduzieren. Gleichzeitig wandert die Wertschöpfung bei der Elektromobilität konsequent in spezialisierte Cluster ab.

In Sachsen fertigen Zwickau und Leipzig vollelektrische Volumenmodelle wie den ID.3 oder den Porsche Macan Electric. Für Schweizer Käufer bleibt das Herkunftsland trotz identischer Listenpreise in Franken ein relevantes Kriterium beim Wiederverkaufswert.
Ungarn und Spanien als neue Elektromobilitäts-Zentren
Wer heute neue Automobilfabriken in Europa sucht, muss den Blick nach Südosten und Südwesteuropa richten. Im ungarischen Debrecen hat BMW die Serienproduktion des neuen iX3 auf Basis der Neuen Klasse gestartet.
Nur rund 170 Kilometer südlich davon nimmt der chinesische Branchenriese BYD in Szeged sein erstes europäisches Pkw-Werk in Betrieb. Die Anlage startet mit einer Jahreskapazität von 150'000 Fahrzeugen, welche die geltenden EU-Importzölle zu umgehen.

Da die Schweiz auf Industriezölle verzichtet, profitieren hiesige Importeure doppelt von kürzeren Transportwegen per Bahn. Spanien festigt derweil mit neuen Batteriezellwerken in Valencia seinen Status als zweitgrösster europäischer Autoproduzent.
Chinesische Marken übernehmen unausgelastete Traditionswerke
Besonders spannend für den Schweizer Allradmarkt ist die strategische Neuausrichtung etablierter Auftragsfertiger und unterausgelasteter Bestandsfabriken. Im österreichischen Graz lässt nicht mehr nur Mercedes-Benz die G-Klasse bei Magna Steyr montieren.

Auch die chinesischen Hersteller Xpeng und GAC nutzen das Know-how in der Steiermark mittlerweile für eine lokale Kleinserienfertigung. In Barcelona hat sich der Chery-Konzern in das ehemalige Nissan-Werk eingemietet und produziert dort SUV-Modelle mit Partner Ebro.
Ab 2027 wird Chery zudem freie Bänder im britischen Nissan-Werk Sunderland belegen, dessen Auslastung zuletzt unter 50 Prozent fiel. Selbst Ford bündelt im spanischen Valencia seine Kräfte mit Geely, um die hohen Fixkosten der europäischen Standorte abzufedern.





