Warm im Winter: So heizen Sie Ihr E-Auto richtig

Wer im Winter den Stromer wie eine Sauna heizt, zahlt an der Ladesäule. Wie Vorkonditionierung und Sitzheizung den Akku und das Portemonnaie retten.

Ein Verbrennungsmotor ist im Grunde eine fahrbare Heizung, die nebenbei ein wenig Vortrieb erzeugt. Elektromotoren arbeiten dagegen mit über 90 Prozent Wirkungsgrad fast ohne nutzbare Abwärme für den Innenraum.
Nebeneffekt: Für die Heizung wird zusätzliche Energie benötigt. Laut Messungen des Touring Club Schweiz (TCS) büssen Elektroautos bei Frost somit durchschnittlich 25 Prozent Reichweite ein.
Heizen im E-Auto: Die Systemfrage
In günstigen Basismodellen übernimmt ein Hochvolt-PTC-Heizelement die Erwärmung von Kabinenluft und Kühlwasser. Dieses System funktioniert wie ein Föhn und wandelt Batteriestrom eins zu eins in Wärme um.
Beim Kaltstart am Gefrierpunkt zieht ein solcher Widerstandsheizer bis zu 7.5 Kilowatt Leistung aus dem Fahrakku. Deutlich sparsamer arbeitet die Wärmepumpe, die bei Schweizer Neuwagen oft etwa 1'200 Franken Aufpreis kostet.
Sie nutzt die Abwärme von Inverter sowie Batterie und verdichtet ein Kältemittel unter hohem Druck. Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen so bis zu drei Kilowattstunden Heizwärme für Ihre Fahrt.
Infrarotstrahlung statt trockener Gebläseluft
Als dritte Technologie setzen Hersteller wie Lexus beim RZ oder BMW beim iX auf Infrarot-Flächenheizungen. Heizelemente im Armaturenbrett und in den Türverkleidungen erwärmen gezielt die Körperoberflächen der Passagiere per Wärmestrahlung.
Der Gedanke dahinter: Warum sollten Fahrzeugnutzer zuerst 3'000 Liter Kabinenluft aufheizen, wenn sie nur allein zur Arbeit pendeln? Kontaktwärme über Sitz- und Lenkradheizung verbraucht lediglich 50 bis 150 Watt pro belegtem Sitzplatz.

Senken Sie die Lufttemperatur der Klimaautomatik deshalb im Winterbetrieb konsequent auf 19 Grad Celsius ab. In Kombination mit der Sitzheizung bleibt das Wärmeempfinden identisch, während der Heizstrombedarf massiv sinkt.
Strategie für Schweizer Alpenpässe
Der wichtigste Hebel für volle Winterreichweite beginnt bereits vor der Abfahrt an der heimischen Wallbox. Heizen Sie Innenraum und Traktionsbatterie zwanzig Minuten vor dem Start bequem per Smartphone-App vor, sofern Ihr Auto diese Option bietet.
Der benötigte Aufheizstrom stammt dann direkt aus dem Schweizer Hausnetz statt aus dem Akku. Aktivieren Sie unterwegs ausserdem den Eco-Fahrmodus, da dieser die Spitzenleistung der Klimaanlage intelligent und spürbar drosselt.
Verzichten Sie bei Nässe jedoch auf den manuellen Umluftbetrieb, weil sonst die Frontscheibe binnen Sekunden beschlägt.
Auf einen Blick: Heizsysteme im E-Auto
PTC-Widerstandsheizung: 1.5 bis 7.5 kW Leistungsaufnahme, Wirkungsgrad (COP) von 1.0, serienmässig in fast allen Basismodellen.
Wärmepumpe: 0.6 bis 2.8 kW Dauerlast bei 0 °C, Wirkungsgrad (COP) von 2.5 bis 3.0, Reichweitenplus bis 80 km.
Infrarot- & Kontaktwärme: 50 bis 200 Watt pro Zone (Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizung), spart bis zu 8 Prozent Gesamtverbrauch.
Winterverlust laut TCS: Durchschnittlich 25 Prozent weniger WLTP-Reichweite bei Frost, durch Vorkonditionierung an der Wallbox deutlich reduzierter Heizverlust.





