Schneller als der 300 SL: Facel Vega

Vergessen Sie den feinen französischen Chanson. Dieses Pariser Luxuscoupé brüllt wie ein US-Renner und spaltet die Sammlerwelt bis heute.

Der Automobil-Konstrukteur Jean Daninos kreuzte 1958 französisches Haute-Couture-Design mit hemmungsloser Detroit-Power. Der Facel Vega HK500 katapultierte wohlhabende Fahrer mit bis zu 360 PS über die Autobahnen.
Damit übertrumpfte das Coupé etablierte Sportwagenlegenden wie den Mercedes-Benz 300 SL auf gerader Strecke spielend. Unter der handgefertigten Karosserie verbirgt sich ein 5.9 bis 6.3 Liter grosser Chrysler-V8.

Trotz dieser Leistungsdaten ist das französische Prestigestück heute bei Schweizer Kennern umstritten …
V8-Urkraft gegen europäische Ingenieurskunst
Der amerikanische Big-Block liefert ein gewaltiges Drehmoment von bis zu 540 Newtonmetern. Gegenüber den drehfreudigen, aber wartungsintensiven Zwölfzylindern von Ferrari punktet der HK500 mit robuster US-Grossserientechnik.
Die Beschleunigung von null auf hundert Stundenkilometer gelingt in unter neun Sekunden. Auf schnellen Passagen distanzierte der Gran Turismo mühelos zeitgenössische Rivalen wie den Aston Martin DB4.

Allerdings treibt der mächtige Doppel-Vierfachvergaser den Benzinverbrauch mühelos über 20 Liter auf 100 Kilometer. Zudem fehlt dem schweren Aggregat auf der Vorderachse die Leichtigkeit eines britischen Sportwagens.
Fahrwerksgrenzen und Bremsleistung am Limit
Auf kurvigen Schweizer Alpenpässen offenbart das massive Stahlrohr-Chassis daher eklatante Schwächen. Das Leergewicht von über 1.6 Tonnen drängt in engen Kehren unerbittlich nach aussen.
Frühe Modelle besitzen schwache Trommelbremsen, die bei Passabfahrten rasch an thermische Grenzen stossen. Erst die ab 1959 verbauten Dunlop-Scheibenbremsen an allen vier Rädern bändigen das schwere Coupé zuverlässig.
Die starre Hinterachse quittiert Bodenwellen mit unruhigen Reaktionen im Heckbereich. Hier bietet die Einzelradaufhängung eines Mercedes 300 SL deutlich höhere Sicherheitsreserven.
Exklusivität und Pflegeaufwand
Mit nur 490 gebauten Exemplaren garantiert der HK500 maximale Exklusivität für Sammler. Gepflegte Fahrzeuge erzielen bei Auktionen regelmässig Preise zwischen 150'000 und 250'000 Franken.
Während der Chrysler-Motor eine günstige Ersatzteilversorgung sichert, gerät die allerdings leicht Karosserie zur Kostenfalle. Spezifische Zierteile, Scheiben und das kunstvoll handbemalte Armaturenbrett in Holzoptik existieren mittlerweile kaum noch als Ersatzteile.
Liebhaber wird die schwierige Ersatzteillage natürlich nicht abhalten. Der HK500 ist und bleibt ein seltener Zeitzeuge einer goldenen Ära des Automobilbaus.





