Neue Berufe im Auto-Ökosystem

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Die Automobilindustrie befindet sich in einem rasanten Wandel, der nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch die benötigten Fachkräfte betrifft.

    Aus einer St. Galler Autowerkstatt wurden mehrere Geräte entwendet (Symbolbild).
    Auch in Zukunft braucht es Werkstätten, aber: Die Elektromobilität treibt die Entstehung spezialisierter Berufe wie Batterieentwickler und Ladeinfrastrukturplaner voran. - Pixabay

    Der Schweizer Automobilsektor befindet sich in einer Phase signifikanter Umbrüche. Die traditionellen Pfeiler der Branche werden durch technologische Innovationen, veränderte Kundenpräferenzen und neue regulatorische Rahmenbedingungen herausgefordert.

    Diese Dynamik spiegelt sich sowohl in den aktuellen Marktzahlen als auch in der Situation am Arbeitsmarkt wider. Der Automobilsektor ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Schweiz. Rund jeder 23. Beschäftigte, was etwa 224'000 bis 226'000 Arbeitsplätzen entspricht, ist direkt oder indirekt mit der Branche verbunden.

    Auto-Ratgeber: Zündkerze
    Bald Vergangenheit? Ganz verschwinden wird der Verbrenner auf absehbare Zeit sicher nicht, aber die Marktanteile werden sich verschieben. - Pixabay

    Dies umfasst Tätigkeiten in der Herstellung und Zulieferung ebenso wie im Handel und im Garagengewerbe. Der Wirtschaftszweig «Handel; Reparatur- und Autogewerbe» stellt einen wichtigen Beschäftigungsfaktor dar.

    Mangel an Fachkräften

    Ein wiederkehrendes und drängendes Thema ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Dieser Fachkräftemangel wird durch die steigende Komplexität der Fahrzeugtechnologien und die demografische Entwicklung zusätzlich verschärft.

    Branchenverbände wie der AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz) bemühen sich aktiv um die Gewinnung neuer Talente, beispielsweise durch Initiativen wie «Lehrberufe Live!» oder Webinare zur Personalrekrutierung. Die Notwendigkeit, sowohl junge Nachwuchskräfte zu gewinnen als auch das bestehende Personal kontinuierlich weiterzubilden, ist evident.

    Andernfalls droht ein Verlust an Erfahrung und Know-how, der die Servicequalität und die Fähigkeit der Betriebe, eine vielfältige Fahrzeugflotte (von älteren Verbrennern bis zu neuesten Elektrofahrzeugen) zu betreuen, beeinträchtigen könnte.

    Megatrends als Treiber des Wandels in den Autoberufen

    Drei technologische Megatrends – Elektrifizierung, autonomes Fahren und Digitalisierung – sind die Hauptkräfte, die die Automobilbranche und die damit verbundenen Berufe in der Schweiz fundamental umgestalten. Jeder dieser Trends hat weitreichende Auswirkungen auf Fahrzeugarchitekturen, Serviceanforderungen, Geschäftsmodelle und die benötigten Kompetenzen der Fachkräfte.

    Der Übergang zu Elektrofahrzeugen (EVs) verschiebt den Fokus von Mechanik zu Software, Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur. Dies erfordert neue Kompetenzen im Umgang mit Hochvoltsystemen, deren Reparatur und Recycling.

    Werkstatt EV
    Die Berufe innerhalb der Autobranche verändern sich. - Bosch (screenshot)

    Traditionelle Mechanikerrollen verlieren an Bedeutung, während die Nachfrage nach Software- und Hochvoltspezialisten steigt. Kritisch ist der Zugang unabhängiger Werkstätten zu Diagnosesoftware und Reparaturinformationen, der oft von den Fahrzeugherstellern (OEMs) kontrolliert wird und ihre Wettbewerbsfähigkeit im Aftersales beeinträchtigt.

    Vormarsch des autonomen Fahrens

    Autonomes Fahren erfordert komplexe Sensorik, Software und KI. Obwohl vollautonome Fahrzeuge noch Zukunftsmusik sind, sind Fahrerassistenzsysteme (ADAS) bereits verbreitet und erfordern neue Kalibrierungsfähigkeiten.

    Autonome Fahrzeuge ermöglichen neue Mobilitätskonzepte. Die Grenzen zwischen Automobiltechnikern und IT-Spezialisten verschwimmen, da Diagnose und Reparatur zunehmend Software-Interaktion erfordern.

    IT- und Elektronikkenntnisse werden in der Ausbildung wichtiger.

    Digitalisierung der Wertschöpfungskette

    Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche, von intelligenter Fertigung über vernetzte Fahrzeuge bis hin zum Online-Vertrieb und datengesteuerten Diensten. Ferndiagnosen und Over-the-Air-Updates verändern die Wartung.

    Der Online-Fahrzeugverkauf nimmt zu. Datengesteuerte Prozesse werden integral. Generell steigt der Bedarf an IT-Kompetenzen in allen Autoberufen.

    Vernetzte Fahrzeuge generieren wertvolle Daten, die OEMs kontrollieren und für neue Dienstleistungen nutzen können.

    Neu entstehende Rollen im automobilen Ökosystem

    Die Transformation der Branche führt zur Entstehung gänzlich neuer Berufsbilder und zur Nachfrage nach spezifischen Kompetenzclustern:

    - Data Scientists / Analysts: Analysieren Fahrzeug- und Kundendaten zur Optimierung von Produkten und Dienstleistungen sowie zur Unterstützung strategischer Geschäftsentscheidungen.

    Batterietechnologie im Boden eines E-Autos
    Batterietechnologie im Boden eines E-Autos: Anforderungen an die Wartung und Überprüfung ändern sich. - Depositphotos

    - EV Battery Specialists/Technicians: Spezialisiert auf Batteriediagnose, -wartung, -reparatur (eingeschränkt) und Prozesse für Second-Life-Anwendungen oder Recycling.

    - Mobility Service Managers: Konzipieren, implementieren und managen neue Mobilitätsangebote wie Carsharing, Abonnementdienste und Flottenlösungen für autonome Fahrzeuge.

    Kompetenzcluster

    - Cybersecurity Analysts/Engineers (Automotive Focus): Schützen Fahrzeuge vor Cyberbedrohungen, führen Schwachstellenanalysen durch und stellen die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften sicher.

    - AI/ML Engineers (Automotive Focus): Entwickeln und implementieren KI-Algorithmen für autonomes Fahren, prädiktive Wartung und die In-Car-User-Experience.

    - ADAS Calibration Specialists: Dedizierte Rollen oder tiefe Spezialisierung für Techniker, die sich ausschliesslich auf die präzise Kalibrierung verschiedener ADAS-Systeme konzentrieren.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #7867 (nicht angemeldet)

    Ist halt so, alles wird Komplexer aber nicht besser. Die E Mobilität wird nicht günstiger sonder teuerer und wer ehrlich ist und die gesamt Energie für die aufwendige Technik rechnet, bemerkt.. ein altes Auto ist die saubere Lösung, stinkt halt ein wenig aber der Umwelt schadet es weniger.

    Weiterlesen

    Ford Mustang, Oldtimer, schwarz, Muscle Car
    1 Interaktionen
    Stories
    Mobilize Duo 80
    9 Interaktionen
    Neues
    Lotus Emira GT4
    14 Interaktionen
    Kult
    Mazda XC6e
    5 Interaktionen
    Mazda
    Waymo Ojai
    13 Interaktionen
    Tech
    Silberpfeil Mercedes Benz
    1 Interaktionen
    Kult