Teurer Stahl und sieben Pleiten: Der Mythos Aston Martin

Aston Martin baut seit über 110 Jahren begehrte, exklusive Sportwagen. Warum stand die britische Edelschmiede trotzdem siebenmal vor dem Ruin?

Wer am Steuer eines Aston Martin aus Gaydon sitzt, sucht keinen sterilen Alltagsbegleiter, sondern leidenschaftlichen Maschinenbau mit Tradition. Die Gründer Lionel Martin und Robert Bamford bauten 1913 ihren ersten Prototyp auf einem modifizierten Isotta-Fraschini-Fahrgestell.
Der spektakuläre Sieg beim Aston-Clinton-Bergrennen gab der Marke schliesslich ihren klangvollen Namen und definierte den Rennsportanspruch. Vom handgefertigten Leichtbauchassis der Pionierzeit bis zu den modernen Aluminiumstrukturen blieb die britische Ingenieurskunst stets extrem fahraktiv.

Hinter der noblen Fassade verbirgt sich jedoch eine wirtschaftliche Achterbahnfahrt, die in der Automobilbranche ihresgleichen sucht.
Die Ära David Brown und der James-Bond-Faktor
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Traktorenfabrikant David Brown das kriselnde Unternehmen und leitete eine goldene Epoche ein. Seine Initialen zieren bis heute die legendären DB-Modelle, welche die Identität der Marke für immer prägten.
Der 1963 präsentierte Aston Martin DB5 mit seinem kraftvollen Vierliter-Reihensechszylinder wurde durch den Geheimagenten James Bond weltberühmt. Dieser unbezahlbare Marketingerfolg überdeckte jedoch lange Zeit die veralteten Fertigungsmethoden in den historischen Werkshallen von Newport Pagnell.

Die aufwendige Handarbeit mit Aluminiumblechen trieb die Stückkosten unaufhaltsam in ungeahnte Höhen. Folglich schlitterte die Traditionsmarke im Lauf ihrer über hundertjährigen Geschichte sagenhafte siebenmal in den formellen Konkurs.
Technische Transformation durch strategische Partnerschaften
Häufige Besitzerwechsel und chronischer Geldmangel bremsten über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung zeitgemässer Motoren und Plattformen aus. Erst unter der Ägide von Ford flossen in den Neunzigerjahren frische Milliarden in die Plattform des erfolgreichen DB7.

Um im modernen Wettbewerb gegen deutsche Premiumkonzerne zu bestehen, schloss Aston Martin schliesslich einen entscheidenden Technologiepakt mit Mercedes-AMG. Seither sorgen schwäbische V8-Biturbo-Triebwerke und zeitgemässe Elektronikarchitekturen für die nötige Zuverlässigkeit im Alltag.
Kritiker bemängeln zwar den Verlust der hauseigenen Zwölfzylindermotoren, doch erst dieser Pragmatismus sicherte das wirtschaftliche Überleben. Gleichzeitig brachte der Einstieg in die Formel 1 frischen Wind in die aerodynamische Entwicklung der Strassenmodelle.
Der Aston Martin DB12 im Vergleich mit der Konkurrenz
Der aktuelle Aston Martin DB12 präsentiert sich als klassischer Grand Tourer und ist das Herzstück der aktuellen Modellpalette. Sein vier Liter grosser V8-Frontmittelmotor leistet beeindruckende 680 PS und bietet eine unvergleichliche akustische Präsenz.

Auf kurvigem Terrain und nasser Fahrbahn erreicht der DB12 jedoch relativ zügig die Grenzen der Traktion. Auch verlangt die britische Infotainment-Software trotz massiver Verbesserungen etwas mehr Bedienaufwand als deutsche Konkurrenten.
Dafür verwöhnt der DB12 mit erstklassiger Handwerkskunst und feinstem Bridge-of-Weir-Leder, das Serienmodelle der Konkurrent nüchtern wirken lässt. Ein Aston Martin kauft man eben nicht wegen kühler Telemetriedaten, sondern aus Leidenschaft für britische Automobilkultur.





