X-by-Wire: Digitale Impulse statt Mechanik

Präzise Steuergeräte statt starrer Wellen: Wir erklären die Technik hinter Steer-by-Wire und Brake-by-Wire sowie die strengen Sicherheitsnormen der Zukunft.

Wenn Sie Ihr Lenkrad drehen, bewegen sich vorne die Räder. Früher verband eine starre Lenksäule Ihre Hände direkt mit dem Asphalt.
Heute übernehmen oft Sensoren und Elektromotoren diese Aufgabe für Sie. Die Digitalisierung erreicht nun die fundamentalsten mechanischen Bauteile des Automobils.
Der technische Hintergrund von Steer-by-Wire
Steer-by-Wire und Brake-by-Wire leiten eine neue Ära der Fahrzeugtechnik ein. Bei Steer-by-Wire entfällt die physische Verbindung zwischen dem Lenkrad und der Vorderachse.

Sensoren erfassen stattdessen den Lenkwinkel und senden die Daten an hochleistungsfähige Steuergeräte. Elektromotoren an der Achse setzen diese Befehle präzise in Radbewegungen um,während ein sogenannter Feedback-Aktuator dabei den gewohnten Widerstand für Ihre Hände simuliert.
Hersteller wie Lexus nutzen diese technologische Freiheit bereits für variable Lenkübersetzungen. Das ermöglicht einen vollen Radeinschlag bei minimalem Kraftaufwand beim Parkieren.
Effizienzgewinn beim Bremsen und Parkieren
Auch Bremssysteme nutzen heute elektrische Impulse statt eines rein hydraulischen Druckaufbaus. Das System erkennt den Bremswunsch des Fahrers über Sensoren direkt am Pedal.
Ein elektrischer Aktuator baut den notwendigen Druck unmittelbar an den Bremszangen auf. Besonders bei Elektroautos optimiert diese Technik das Zusammenspiel mit der Rekuperation.
Mechanische Reibungsbremse und Generatorwirkung verschmelzen so zu einer effizienten Einheit. Das Resultat ist ein kürzerer Bremsweg durch die schnelleren Reaktionszeiten der Bordelektronik.
Maximale Sicherheit durch redundante Systeme
Kritiker hinterfragen oft die Zuverlässigkeit rein elektronischer Steuerungssysteme im Strassenverkehr. Die geltende UN-Regelung ECE R79 schreibt deshalb extrem strenge Redundanzen vor.
Fällt ein primäres System aus, übernimmt sofort ein zweiter, unabhängiger Stromkreis die Kontrolle. Eine physische Lenksäule ist gesetzlich nicht mehr zwingend für die Typengenehmigung erforderlich.
In der Schweiz prüft die Motorfahrzeugkontrolle (MFK) diese Systeme nach strengen internationalen Standards. Mehrfache Backups garantieren eine Ausfallsicherheit auf dem hohen Niveau der modernen Luftfahrt.
Neue Designfreiheit
Der Wegfall der massiven Lenksäule schafft völlig neuen Platz im modernen Innenraum. Konstrukteure können das Cockpit dadurch flacher, offener und deutlich übersichtlicher gestalten.
Das Lenkrad lässt sich bei autonomer Fahrt sogar komplett im Armaturenbrett versenken. Auch die passive Sicherheit verbessert sich ohne starre Metallteile im Fussraum markant.
Vibrationen von unebenen Strassen dringen nicht mehr ungefiltert bis zum Fahrer durch. Die Software filtert Störeinflüsse präzise aus, bevor Sie diese im Lenkrad spüren könnten.





