Zürcher Parkplatz-Poker: Das Ende der Gratis-Mobilität

Maia Schmied
Maia Schmied

In Zürich kostet ein Parkplatz bald ein kleines Vermögen. Entdecken Sie, wie sich die Mobilität in der Limmatstadt radikal verändert.

Parkieren in Zürich
Teures Pflaster: Zürich gehört weltweit zu den Städten mit den höchsten Parkgebühren. (Symbolbild) - Share.io (Screenshot)

Morgens um acht beginnt der tägliche Slalom durch die engen Zürcher Quartiere. Die mühsame Suche nach einer freien Lücke in der Blauen Zone gleicht einer modernen Schatzsuche.

Und in Zukunft wird der öffentliche Raum zwischen Limmat und See zur extrem kostbaren Mangelware. Die aktuelle Stadtplanung setzt Prioritäten – und die lauten: grüne Ruhezonen statt grauer Asphalt.

Die Kostenexplosion auf Zürcher Asphalt

Wer heute in Zürich ein eigenes Auto besitzt, braucht ein dickes Portemonnaie. Einzelne Tiefgaragenplätze in begehrten Lagen wie dem Seefeld oder der City erreichen mittlerweile sechsstellige Verkaufspreise.

Diese sprichwörtlichen «100'000-Franken-Striche» markieren das definitive Ende der ehemals günstigen Mobilität. Die private Nachfrage übersteigt das Angebot in den Zentren seit Jahren massiv.

Münsterhof Zürich
Autofreie Zone Münsterhof: Erst seit 2016 ist der Platz komplett autofrei und dient heute als urbaner Rückzugsort für Fussgänger. - Adrian Michael

Auch für Anwohnende wird es teurer: Künftig bestimmen das Fahrzeuggewicht und der Platzbedarf massgeblich den Preis für die Parkkarte. Der Asphalt hat seinen Discount-Status verloren.

Zürcher Strategie: Platz für Menschen

Die Stadtverwaltung verfolgt ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2040 soll Zürich komplett klimaneutral und deutlich lebenswerter werden. Dafür verschwinden schätzungsweise über zehntausend öffentliche Parkplätze im gesamten Stadtgebiet.

Münsterplatz Zürich
Münsterhof 2010: Damals noch als Parkplatz genutzt. - Roland zh

Die Behörden priorisieren künftig sichere Velowege und breitere Trottoirs. Dass dieser Umbau nicht ohne Widerstand abläuft, zeigen bürgerliche Initiativen, die energisch gegen den Abbau kämpfen.

Der politische Streit um jeden Quadratmeter Boden spitzt sich in der Limmatstadt zu.

Das Pariser Vorbild: Mut zur Lücke

Andere Metropolen zeigen den radikalen Weg bereits auf. Paris möchte in naher Zukunft bis zu 70'000 Parkplätze aus dem Stadtbild entfernen.

Amsterdam verwandelt ehemalige Parkstreifen an den Grachten konsequent in kleine Gärten und Spielplätze. Diese Massnahmen reduzieren nicht nur den Suchverkehr, sondern senken auch die Lärmbelastung merklich.

225 Euro für 6 Stunden SUV-Parken in Paris.

Einwohner profitieren direkt von besserer Luft und sichereren Schulwegen. Die Lebensqualität steigt durch die Rückgewinnung des Raumes spürbar.

Vernetzte Technik als Rettungsanker

Innovative Lösungen sollen den Druck auf die verbleibenden Flächen lindern. Intelligente Leitsysteme führen Autofahrer künftig ohne Umwege zum nächsten freien Platz.

Visionäre Konzepte sehen vor, dass autonome Fahrzeuge das Parkieren in grossen Hubs am Stadtrand übernehmen, gesteuert über das Smartphone als zentrale Schnittstelle.

Zudem integrieren sich Ladesäulen für Elektroautos nahtlos in die neuen urbanen Strukturen. Parkieren wandelt sich so vom reinen Abstellen zum integrierten Bestandteil eines sauberen Energienetzwerks.

Neue Wege durch geteilte Mobilität

Immer mehr Zürcher verzichten komplett auf den eigenen Wagen. Professionelle Car-Sharing-Modelle besetzen die Lücken in der Mobilitätskette ideal: Ein geteiltes Fahrzeug ersetzt rechnerisch bis zu zehn private Autos.

Carsharing der SBB
Eine gute Kombination, die es weiter auszubauen gilt. Der ÖV und regionale Carsharing-Angebote. - Mobility

Dadurch sinkt der Flächenbedarf für «stehende Blechlawinen» drastisch. Gepaart mit attraktiveren Abonnements für den öffentlichen Verkehr schafft diese Kombination Platz für das, was eine Stadt eigentlich ausmacht: Raum für Begegnung, Grünflächen und eine offene Stadt für alle.

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