Früher Panzer, heute Leichtgewicht: Dünneres Blech ist sicherer

Maia Schmied
Maia Schmied

Dünneres Blech, mehr Sicherheit? Warum moderne Autos trotz Leichtbau stabiler sind als Oldtimer und wie hochfeste Stähle heute Leben retten.

1958er Chevrolet Impala
Der 1958er Chevrolet Impala ist heute eine gefragte Rarität. - Depositphotos

Früher war alles massiver, heute wirkt das Blech dünner. Doch trügt der Schein bei der Sicherheit moderner Fahrzeuge wirklich?

Wer an einen Oldtimer klopft, hört oft ein sattes, tiefes Geräusch. Die Karosserien früherer Jahrzehnte bestanden aus dickem, schwerem Stahlblech. Moderne Autos wirken im direkten Vergleich fast wie Leichtgewichte aus der Konservendose.

Dieser Wandel in der Blechdicke ist jedoch kein Sparkurs der Hersteller, sondern das Ergebnis hochkomplexer Ingenieurskunst für mehr Effizienz und Sicherheit. Der Stahl von heute besitzt nämlich ganz andere metallurgische Eigenschaften als das Material von 1960.

Vom Panzer zum Leichtbau

In den 1950er-Jahren galt die Devise: Je dicker das Blech, desto sicherer das Auto. Damalige Fahrzeuge wiesen oft Blechstärken von über einem Millimeter auf.

Diese Masse bot zwar Schutz bei leichten Parkschäden, war aber bei schweren Unfällen tückisch. Die starre Konstruktion gab die Aufprallenergie fast ungefiltert an die Insassen weiter.

Chevrolet, Impala, Schwarz
Der Motor des Impala leistet in der sportlichsten Version mehr als 300 PS. - Depositphotos

Mit der Zeit erkannten Ingenieure, dass gezielte Verformung Leben retten kann. So begann die Ära der Knautschzonen, die eine differenzierte Verteilung der Materialstärke erforderte.

Hochfeste Stähle als Gamechanger

Heute nutzen Hersteller hochfeste und ultrahochfeste Stähle für die Karosserie. Diese Speziallegierungen ermöglichen deutlich geringere Wandstärken bei gleichzeitig höherer Stabilität.

Ein modernes Blech misst oft nur noch 0.6 bis 0.8 Millimeter. Trotz dieser Schlankheitskur hält das Material enormen Zugkräften bei einem Aufprall stand.

Cadillac Fleetwood (1975)
Cadillac Fleetwood: Die Serie hatte noch in den 1950er Jahren Bleche bis zu 1.5 mm. - 55allegro

Die gezielte Kombination verschiedener Stahlsorten sorgt für eine extrem steife Fahrgastzelle (die «Sicherheitszelle»), während die äusseren Teile Energie absorbieren. Weniger Gewicht bedeutet zudem einen geringeren Treibstoffverbrauch und eine agilere Fahrdynamik.

Korrosionsschutz und Langlebigkeit

Früher rosteten dicke Bleche oft unbemerkt von innen nach aussen durch. Massive Materialstärken sollten diesen natürlichen Verfallsprozess lediglich verzögern.

Moderne Produktionsverfahren setzen stattdessen auf eine konsequente, beidseitige Verzinkung der Oberflächen. Diese chemische Schutzschicht macht selbst dünne Bleche resistenter gegen Umwelteinflüsse als das «alte Eisen».

Citroen 2CV
Ein Franzose mit Charme und Kultstatus und einer Blechdicke von nur 0.5 mm. - Pixabay

Hohlraumversiegelungen und spezialisierte Lacksysteme ergänzen diesen modernen Korrosionsschutz. So bleibt die strukturelle Integrität des Fahrzeugs über Jahrzehnte hinweg erhalten.

Die Rolle der Aerodynamik

Die Formgebung moderner Fahrzeuge verlangt nach einer hohen Formbarkeit der Materialien. Dünnere Bleche lassen sich präziser in aerodynamisch optimierte Kurven pressen.

Jede Kante und jeder Radius im Design dienen heute der Reduktion des Luftwiderstands. Frühere, kantige Designs aus schwerem Blech verursachten hohe Windgeräusche und unnötigen Kraftstoffverbrauch.

Moderne Presswerke verarbeiten die dünnen Stähle mit mikrometergenauer Präzision. Das Ergebnis sind Autos, die leise durch den Wind gleiten und wertvolle Ressourcen schonen.

Multimaterialmix der Zukunft

Stahl ist heute längst nicht mehr das einzige Material in der Karosseriefertigung. Aluminium und carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) ergänzen das Bauteilspektrum massgeblich.

Koenigsegg Agera RS
Chassis aus Carbon: Der Koenigsegg Agera RS wurde 2015 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt und ist – obwohl er für die Rennstrecke entwickelt wurde – auch für öffentliche Strassen zulassungsfähig. - Norbert Aepli

Diese Werkstoffe erlauben eine noch gezieltere Gewichtsreduktion in unkritischen Bereichen. Beispielsweise bestehen die Motorhaube oder das Dach oft aus diesen leichten Alternativen.

An sicherheitsrelevanten Stellen bleibt jedoch ultrahochfester Stahl die erste Wahl. Dieser intelligente Materialmix garantiert maximale Sicherheit bei minimalem Eigengewicht.

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